Fr., 11.07.2014

Lichtkreuz in Celler Stadtkirche regt zu kontroversen Gesprächen an

Rubrik: Allgemeine News

 

Kunsthistorikerin Dr. Julia Otto kann sich nicht erinnern, in Celle jemals eine so intensive Diskussion über ein Kunstwerk miterlebt zu haben wie bei den Gesprächen über das 9 Meter hohe Lichtkreuz, das derzeit in der Celler Stadtkirche im Rahmen der Ausstellung „Scheinwerfer“ zu sehen ist. 

Mächtig und unübersehbar hängt das aus 44 blau leuchtenden Neonzeichen bestehende Kreuz frei mitten im Kirchenschiff der barocken Celler Stadtkirche und zieht die Blicke der Menschen magisch auf sich. „Die meisten Menschen“, beobachtet Küster Ralf Pfeiffer täglich, “sind ergriffen, manche Menschen schimpfen aber auch, weil sie finden, das Kreuz passe nicht in die Kirche.“ Aber dann, so Pfeiffer, wenn man beginne, über die Idee des Künstlers zu sprechen, wende sich das Blatt schnell. Diese Diskussionen, betont Michael Stier, Kulturbeauftragter des Kirchenkreises, sei ganz im Sinne der Kirche, denn das Kreuz sei biblisch gesehen, immer eine Provokation gewesen, und die Piktogramme sprächen auch von dem, woran Menschen heute leiden.  

Für den Künstler Christoph Hildebrand eröffnen die im Kreuz versammelten Motive einen weiten Bedeutungs- und Assoziationsrahmen im Spannungsbereich von Natur und Schöpfung, Zivilisation und Technik, Physik und Metaphysik. Diese Weite aber in der Deutung, so manche kritischen Stimmen, stehe für eine Beliebigkeit, die wiederum zu einer Entschärfung der Provokation führe. 

Bevor das Kreuz wieder abgenommen wird, werden Pastor Michael Stier und Dr. Julia Otto als stellvertretende Leiterin des „Kunstmuseums Celle mit Sammlung Robert Simon“ am Dienstag, dem 22. Juli um 18.00 Uhr gemeinsam in der Stadtkirche eine dialogische Andacht gestalten. Auch der Künstler wird anwesend sein und sich im Anschluss an die Andacht den Fragen des Publikums stellen. Solche Gespräche zwischen Kirche und Museum sind in Celle im Rahmen der Reihe „Kirche trifft“ bereits gute Tradition; dass jetzt ein Kunstprojekt – zumal mit genuin theologischer Konnotation - solche Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist für beide Seiten ein großer Gewinn

 

Bild: (Uwe Schmidt-Seffers) Pastor i.R. Michael Stier, Robert Simon, Dr. Julia Otto und Stadtkirchenküster Ralf Pfeiffer