Mo., 19.04.2021

Haltung zeigen: Regionalbischof Brandy sieht Luther als Vorbild

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Die Standhaftigkeit des Reformators Martin Luther vor 500 Jahren auf dem Reichstag in Worms hat nach Auffassung des Stader Regionalbischofs Hans Christian Brandy bis heute Vorbildcharakter. "Unsere Zeit braucht Menschen, die mutig ihrem Gewissen verpflichtet sind und Haltung zeigen", sagte Brandy am Mittwoch. Bei seinem Auftritt auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V. am 17. und 18. April 1521 weigerte sich Luther (1483-1546), die eigenen Lehren zu widerrufen. Daraufhin sprach der Kaiser die Reichsacht über ihn aus und erklärte ihn für vogelfrei.

Die Reise Luthers von Wittenberg nach Worms gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte, weil es danach nicht mehr gelang, die Reformation im Keim zu ersticken. Mit Blick auf die Gegenwart sagte Brandy, nötig seien Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagierten, "für eine offene und tolerante Gesellschaft, für die Würde jedes und jeder Einzelnen - in der Bindung an das Evangelium, der Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen".

Er selbst sehe Luther nicht als heroischen Helden, führte Brandy aus. "Luther war ein Mann mit vielen Widersprüchen, leidenschaftlich und mutig, aber auch von Anfechtungen und Zweifeln geprägt. Ein Mensch voller Ambivalenz." Das Jubiläum in Worms sei daher auch keine Heldenfeier, "sondern durch den mutigen Auftritt des Reformators ein wichtiges Zeugnis für Zivilcourage und Gewissensbindung".

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) feiert das 500. Jubiläum "Luther vor dem Wormser Reichstag" unter dem Motto: "Gewissen befreien. Haltung zeigen. Gott vertrauen." Es wird am Freitag (16. April) mit einem digitalen Festakt eröffnet, bei dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Videoansprache halten wird. Für den Abend des 17. April ist eine Multimedia-Inszenierung unter dem Titel "Der Luthermoment" geplant, die im SWR-Fernsehen übertragen werden soll. Weitere Veranstaltungen wurden aufgrund der fortdauernden Corona-Pandemie in den Herbst verschoben.