Fr., 20.01.2012

"Haus in der Kirche“ ist Lösung eines umfassenden Bauprogramms

Kategorie: Allgemeine News

Kirchengemeinde in Wietze holt Gemeinderäume in die Kirche 

Jahrelang haben sich die Kirchenvorsteher und Pastoren in Wietze Gedanken gemacht, wie die verschiedenen Gebäude der Gemeinde so umgestaltet werden können, dass den Ansprüche der Gemeinde und zugleich den ökonomischen und ökologischen Erfordernissen Rechnung getragen werden kann. „Jetzt wird ein Konzept baulich umgesetzt“, so der Celler Kirchenamtsleiter Friedhelm Kleinke, „das zukunftweisend ist und optimale Bedingungen für die kirchliche Arbeit bieten wird.“ 

Die Liste der verschiedenen Baustellen in Wietze war endlos: Die an das Gemeindehaus der Kirchengemeinde angrenzende Kindertagesstätte musste immer wieder baulich erweitert werden. Das Gemeindehaus selbst entsprach nicht mehr den wärmetechnischen Mindeststandards. Der Evangelischen Jugend fehlten eigene Räume, und das Kirchengebäude mit 500 Sitzplätzen aus den 60er Jahren war überdimensioniert. 

Die Wietzer Lösung, die gemeinsam mit dem Kirchenamt in Celle erarbeitet wurde, sieht vor, dass die Kindertagesstätte nach grundlegenden Renovierungsarbeiten entsprechend heutiger ökologischer Standards in das Gemeindehaus hinein expandiert und das Gemeindehaus komplett in die Kirche verlegt wird. Das Celler Architekturbüro Simon & Simon hat sich dazu eine „Haus in der Kirche“ Lösung ausgedacht, die das Äußere der Kirche kaum verändert. Die beiden Längsseiten der Kirche, die aus 160m² französischen Dickglasfenstern mit Bildmotiven bestehen, bleiben unangetastet. Von der Westseite der Kirche aus wird ein 260qm großer Baukörper in zwei Etagen gleichsam in die Kirche hineingeschoben. In der ersten Etage entsteht ein Gemeinderaum für 60 Personen, im Erdgeschoss werden eine Küche und ein weiterer Gruppenraum eingerichtet. Jeder Raum bietet zugleich einen offenen Blick in die Kirche hinein.

Pastor Reinhard Überrück, der seit zwei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Angelika die eineinhalb Pfarrstellen in Wietze versieht, ist begeistert von dieser Lösung: „Damit holen wird das Gemeindeleben in die Kirche hinein.“ Es eröffnen sich für die Gemeinde ganz neue Möglichkeiten für Gruppen, die Kirche verstärkt als sakralen Raum zu nutzen. Und während des Gottesdienstes hat die Gemeinde endlich einen Raum, von dem aus junge Familien mit Kindern dem Gottesdienst folgen und dabei mit den Kleinsten der Gemeinde zusammen sein können. „Durch diese Haus in der Kirche Lösung“, so Pastor Überrück, „werden die Menschen im Dorf sehen, dass das Licht in der Kirche fast immer brennt.“  

Während der Bauarbeiten wird die Gemeinde die nahegelegene Friedhofskapelle nutzen. Die katholische Kirche am Ort hat bereits zugesagt, dass die evangelischen Schwestern und Brüder ihre großen Gottesdienste wie die Konfirmationen in der katholischen Kirche feiern können. Wenn die Bauarbeiten im Zeitplan bleiben, so Pastor Überrück, könnte die Wietzer Gemeinde zu den Weihnachtsgottesdiensten wieder in der eigenen Kirche feiern. Platz genug in der Kirche wird es auch nach dem Umbau noch geben, denn es werden nur wenige Sitzplätze verloren gehen. 

Die Kosten für das „Haus in der Kirche“ belaufen sich auf 880.000 Euro. Die Landeskirche wird 250.000 Euro übernehmen, der Kirchenkreis Celle 480.000 Euro. 30.000 Euro wird die Kirchengemeinde beisteuern, die nötig werden für das neue Mobiliar und eine neue, gebrauchte Orgel. Der Restbetrag soll durch den Verkauf des nicht mehr benötigten zweiten Pfarrhauses erzielt werden. 

Erster Gewinner der umfangreichen Baumaßnahmen ist schon jetzt die Evangelische Jugend. Im Obergeschoss des alten Gemeindehauses und jetzigen Kindergartens ist neben den Sozialräumen des Kindergartens ein eigener Bereich entstanden, der von den Jugendlichen künftig möglichst selbst verwaltet werden soll, so Pastor Überrück. Die nötig gewordenen Arbeiten beliefen sich auf 140.000 Euro.  

Bild: V.l.n.r.: Pastor Reinhard Überrück und Kirchenamtsleiter Friedhelm Kleinke vor der Wietze Kirche mit dem Architektenmodell „Haus in der Kirche“