Di., 02.03.2021

„Hier haben sie ihre Ruhe“ – Wie die Paulus-Laden-Schule Kinder im Lockdown unterstützt

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Das Familienzentrum der Paulus-Gemeinde ist seit jeher ein Anlaufpunkt für Kinder- und Jugendliche in der Celler Heese. Seit 15 Jahren gibt es den Kindergarten, bereits 1989 wurde der Kinder- und Jugendtreff „Der LADEN“ eröffnet. Die Pandemie und ihre Folgen stellte auch das Team der Paulusgemeinde vor besondere Herausforderungen. Wie da sein, wenn Kontaktbeschränkungen genau das verhindern? Wie helfen, wenn Hilfe nur aus der Distanz möglich ist?

Doch die Verantwortlichen um Diakonin Rita Bakker bewiesen erstaunliche Kreativität, um den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen nicht abreißen zu lassen. Ein initiierte Stadtteilrallye war so erfolgreich, dass Pastor Karsten Willemer stolz eine Verlängerung bis zum 6. März verkünden konnte, und auch die Aktion „Mutmachbeutel“ wurde im Stadtteil mit Begeisterung angenommen. In den kostenlos verfügbaren Beuteln fanden Kinder kleine Aufmunterungen und Beschäftigungen für zu Hause, außerdem ein Zeugnis mit dem Titel „Weltbestes Kind“. Ideengeberin Rita Bakker sagt: „Es war der Versuch den Kindern zu zeigen: Wir sehen dich. Du machst das großartig. Und du hast dieses Schulhalbjahr geschafft-ganz egal mit welchen Zensuren! Du bist ein weltbestes Kind.“ Von ursprünglich 25 Beuteln sind nur noch wenige über, Interessierte können unter 05141/940707 einen Abholtermin vereinbaren. Kleiner Hinweis: Pro Familie gibt es nur einen Beutel.

Und noch ein ganz anderes Projekt sorgt für neue Möglichkeiten im Stadtteil. Nach Gesprächen mit besorgten Eltern, die von ihren Erfahrungen im Homeschooling berichteten, rief die Gemeinde kurzfristig die „Paulus-LADEN-Schule“ ins Leben. „Die Kinder kommen mit ihren Schulsachen zu uns, und finden hier die Ruhe, die sie zu Hause vielleicht nicht so zur Verfügung haben“, sagt Rita Bakker. Vier Kinder pro Gruppe sind erlaubt, gemeinsam werden die Hausaufgaben erledigt oder in der Pause am Tischkicker auch mal dem Kopf eine Pause gegönnt. Am Ende einer Lerneinheit bekommt jedes Kind einen Mutmachstempel in einen Ausweis gedrückt, bei fünf Stempeln dürfen sich die Kleinen ein Geschenk aus der Überraschungskiste aussuchen. „Wir sind kein Ersatz für Lehrer*innen“, erklärt Bakker, „aber zumindest können wir im begrenzten Maße präventiv beim Distanzlernen unterstützen und eine Lernatmosphäre zur Verfügung stellen.“

Wie lange die Aktion noch läuft, hängt auch von den Entscheidungen der Politiker ab. Stand jetzt wird die LADEN-Schule bis Ostern fortgesetzt. Wer Interesse hat, sein Kind im Familienzentrum betreuen zu lassen, kann sich per Telefon unter 05141-940707 oder per E-Mail unter laden.paulus.celle(at)evlka.de melden.

Mit Blick auf die aktuelle Situation in den Kindergärten und Schulen wünscht sich Bakker mehr Einheitlichkeit in den Homeschooling-Standards – „die sind von Schule zu Schule doch sehr unterschiedlich“. Die Diakonin hofft darauf, dass die Politik die finanziellen Mittel für soziale Einrichtungen aufstockt. „Der Lockdown wird gerade für Kinder und Jugendliche kurz- und langfristige Folgen haben. Viele werden in der Schule abgehängt und haben es dann schwerer bei der Suche nach einer Ausbildung. Wenn wir diese Kinder jetzt unterstützen, können wir mithelfen, dass diese Folgeschäden zumindest abgefedert werden. Und mit Blick auf ein wenig mehr Planungssicherheit wäre es wichtig, dass bei politischen und schulischen Entscheidungen die Stimmen der Kinder, Jugendlichen und Familien stärker berücksichtigt werden.“