Fr., 05.03.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Pastor Stefan Thäsler

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In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 10 mit Pastor Stefan Thäsler aus Eschede, der außerdem systemischer Therapeut in der evangelischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Uelzen ist.

Ein Besuch bei mir selbst

Was mich bewegt? Gute Frage. Schon Karl Valentin hat gesagt: „Heute besuche ich mich selbst, mal sehen, ob ich zuhause bin.“ Doch wie merkwürdig klingt das, wo wir gerade unfreiwillig ständig zuhause sind! Wie kann ich denn nicht zuhause sein, wenn ich mich besuche? Doch, das kann ich! Zum Beispiel bin ich mit meinen Gedanken ständig „außer Haus“, im Haus der Vergangenheit (Szenen, die ich vermisse) oder der Zukunft (Wenn wir uns erst endlich wieder zum Grillen im Garten treffen können). Und wenn ich schon dabei bin: Ich bin auch immer mal wieder mit Gedanken beschäftigt, die quasi aus anderen Häusern stammen, Ansprüche anderer stellen, Kritik anderer in mir laut machen oder deren Launen durchleben!  Absurd: Mitten im Zuhause-Bleiben bin ich oft in mir selbst nicht zuhause. 

Die Passionszeit lädt dazu ein, den Weg nach innen wieder bewusst zu gehen, im Jetzt und Hier. Alte Formulierungen wie das „Inne halten“ bedeuten dabei: anhalten, sich besinnen auf das, was hält. Vertrauen wagen, weil Gott mich hält! Es gibt einen Raum in der Seele, in dem ich nicht beschuldigt werde, hat Anselm Grün mal gesagt. Wie gut tut das! Wer diesen Raum kennt, muss nicht mehr andere für eine Pandemie beschuldigen, die dafür auch nichts können. Und im Innehalten kann ich auch für mich sortieren, was ich im Leben ändern kann und was nicht, und Gott bitten, dass ich den Unterschied sehe.

Das bewegt mich. Als Pastor spreche ich genauso über Innehalten wie über Aufbrechen. Als Therapeut sitze ich Menschen gegenüber, bei denen es gerade daran hakt. Umso mehr wünsche ich allen im Lockdown gute Begegnungen, auch mit sich selbst. Und es ist immer eine Chance zu bedenken, in welchem Gedankenzimmer ich gerade zu viel herumhänge und in welchem Raum meiner Seele ich lange nicht war. Probieren Sie es aus!