Di., 09.03.2021

Kirchenkreis-Serie: Was mich bewegt – heute: Pastorin Christina Bernschein

Kategorie: Texte Startseite, Allgemeine News

In einer Serie berichten Mitglieder aus dem Kirchenkreis, welche Dinge sie aktuell beschäftigen, was ihnen gerade auf der Seele brennt oder welche Erlebnisse ihnen zuletzt Mut und Hoffnung gegeben haben. Teil 11 mit Pastorin Christina Bernschein aus Hambühren.

Die Enden des Lebens

Alles im Leben hat seine Zeit. Heißt es in dem Bibeltext Prediger 3. Jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde, heißt es weiter.
Manches im Leben lässt sich aufschieben. Oder nachholen. Doch die Enden des Lebens liegen nicht in unseren Händen. Hier ist wenig Spielraum. Mit und ohne Corona. Die Enden des Lebens sind kostbare Zeiten. Quasi Zeiten auf der Schwelle. So vieles verändert sich um sie herum. Ein Mensch wird geboren und ändert das Leben derer, die sich um ihn sorgen. Ein Mensch stirbt und sein Fehlen ändert das Leben derer, die um ihn trauern. Geburten und Todesfälle im engen (familiären) Umfeld sind einschneidende Ereignisse. Sie teilen das Leben in ein „Davor“ und ein „Danach“, in ein „Mit“ und ein „Ohne“.
Geboren werden hat seine Zeit. Heißt es in Prediger 3. Ich denke an die Schwangeren, die auf Begleitpersonen verzichten müssen. Bei Untersuchungen und vielleicht bei der Geburt. An denen die Ungewissheit über das, was kommen wird, nagt. So oder so. Verschärft durch die Vorgaben, die von außen kommen. Ich denke an die Väter und Co-Mütter, die an diesen kostbaren ersten Tagen weniger Zeit zum Einander-Kennenlernen haben. Dann, wenn die Besuchszeiten reglementiert sind. Ich denke an Hausbesuche durch die Hebammen, die unter ganz anderen Vorzeichen stehen. Ich denke an die tatkräftige Unterstützung, die sonst vielleicht aus dem Freundes- oder Familienkreis in den ersten Wochen käme. So wenig Nähe, wo doch eine Umarmung so guttäte.

Manchen ist es eine willkommene Begründung, um zu viel Trubel, zu viel Besuch zu vermeiden. Anderen fällt das Auf-sich-Gestellt-Sein schwer.
Sterben hat seine Zeit. Heißt es in Prediger 3. Manchmal geht es so schnell. Manchmal bleibt gar keine Zeit. Jemanden im Sterben zu begleiten, ist in den meisten Krankenhäusern erlaubt. Doch durch die Maske werden Worte schwerer verstanden. Behandschuhte Hände haben nicht dieselbe Wärme, wie die bloße Haut. Und auch zu Hause können nicht alle die zu Besuch kommen, noch einmal sprechen, noch einmal umarmen, die gerne würden.
Auch miteinander Trauern wird schwerer. Keine Hand auf der Schulter, keine Umarmung, die Trost spendet. Kein Raum dazu, miteinander zu verzweifeln, einander – im wahrsten Sinne des Wortes – beizustehen. Stattdessen gilt die Wahrung der Mindestabstände, die Reduktion auf den kleinsten Kreis. Zurecht, doch schmerzhaft.

Manchen macht es die Gestaltung des Abschieds leichter. Andere zerbrechen an den Vorgaben, dürsten nach mehr Zuwendung. In diesen Zeiten die Enden des Lebens zu gestalten, ist für alle Beteiligten eine große Aufgabe.
Der Bibeltext bleibt nicht bei den Enden des Lebens stehen. Er kehrt zurück zur Mitte. Denn weiter heißt es: Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Viele kreative Formen sind entstanden, die Enden des Lebens angemessen zu würdigen. Und doch hoffe ich auf den Tag, an dem wir wieder gemeinsam weinen und lachen, klagen und tanzen können.

Manchen macht es die Gestaltung des Abschieds leichter. Andere zerbrechen an den Vorgaben, dürsten nach mehr Zuwendung. In diesen Zeiten die Enden des Lebens zu gestalten, ist für alle Beteiligten eine große Aufgabe.
Der Bibeltext bleibt nicht bei den Enden des Lebens stehen. Er kehrt zurück zur Mitte. Denn weiter heißt es: Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Viele kreative Formen sind entstanden, die Enden des Lebens angemessen zu würdigen. Und doch hoffe ich auf den Tag, an dem wir wieder gemeinsam weinen und lachen, klagen und tanzen können.