Fr., 09.04.2021

Landesbischof bei Grundsteinlegung am Wathlinger Küsterhaus

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Was wohl die Menschen denken werden, die vielleicht in ferner Zukunft auf jene Zeitkapsel stoßen, die Landesbischof Ralf Meister am Montag vor Ostern in die Grundplatte des Wathlinger Küsterhaus eingelassen hat? Zumindest den zeitlichen Rahmen des Bauvorgangs dürften unsere Nachfahren schnell abstecken können, liegt der Kapsel doch eine Ausgabe der Celleschen Zeitung bei. Außerdem dabei: ein Gemeindebrief der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien, ein Bauplan des Küsterhauses, eine medizinische Maske als Symbol für die Gemeindearbeit unter Corona-Bedingungen, eine Kreuzkette als Symbol für die Konfirmanden, eine Karte mit der Jahreslosung, sowie ein Satz Münzen.

Doch zurück in die Gegenwart. Da freut sich die Gemeinde über einen neuen Ort der Begegnung, den Ralf Meister mit den Worten würdigte: „Er lässt uns den Geist des Miteinander spüren.“ Anschließend erbat der Landesbischof den Segen für den Bau, die Bauleute und die Kirchengemeinde. All das vor den Augen der Architekt*in Maria Többen und Thomas Woschek, Markus Stiller von der Stiller Bau GmbH und Sieglinde Ammann vom Wathlinger Kirchenvorstand. „Wir wollen ein offenes Haus schaffen. Eine offene Begegnungsstätte für viele verschiedene Gruppen in unserer Kirchengemeinde, aber auch für nichtkirchliche Gruppen wie die Celler Tafeln und die Behindertengruppe in Wathlingen“, sagte Ammann zur Begrüßung.

Das ehemalige Küsterhaus eignet sich dafür besonders, weil es direkt neben der Kirche liegt, denkmalgeschützt ist und eine lange Geschichte hat. Hier stand die erste Schule im Ort. Durch das Projekt sollen auch wieder Kinder und Jugendliche, Erwachsene und die ältere Generation dieses Haus mit Lachen und mit Leben füllen.

Um ein solches Projekt verwirklichen zu können, braucht man viele Partner zur Finanzierung. Dazu gehören der Kirchenkreis Celle, die EU, die LEADER-Region Aller-Fuhse-Aue, die Aktion Mensch und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Von den benötigten 1,9 Millionen Euro Gesamtkosten hat die Kirchengemeinde bereits 1,8 Millionen zusammen. Wegen der Baukostensteigerung während der Planungs- und Bauantragsphase werden noch rund 85.000 Euro an Spenden benötigt. Doch der Kirchenvorstand ist zuversichtlich, dass die Kirchengemeinde diese Spenden zusammenbekommt. Dafür gibt es sogar ein historisches Vorbild: Als das Küsterhaus nach einem Brand 1695 wieder neu aufgebaut werden musste, wurde der Wiederaufbau ausschließlich durch Spenden finanziert.

Am gegenwärtigen Bauprojekt waren bereits viele Ehrenamtliche beteiligt. Tapeten mussten entfernt, Lehmputz abgeschlagen werden. Die Steine in den Gefachen sollen aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Denkmalschutzes wiederverwendet werden, dafür bedarf es allerdings einer gründlichen Reinigung. Auch dazu werden zupackende Wathlinger benötigt.

Die Inanspruchnahme von Fördermitteln bringt aber auch einen engen Zeitplan mit sich. Das Ziel: bis zum Jahresende mit dem Bau an sich fertig zu sein. Die Außenanlagen können nächstes Jahr folgen. Jetzt nach Ostern beginnen die Zimmermann- und Dachdeckerarbeiten, im Sommer soll der Innenausbau starten. Neues Dach, Sanieren und Aufrichten des Fachwerkes, neue Fenster und Türen, energetische Dämmung mit einem Kork-Lehm-Gemisch (in Celle entwickelt), neue Heizung, neue Sanitäranlagen, neue Elektrik, neue Küche, neue Fußböden – all das ist noch zu schaffen. Doch die Wathlinger haben eine besondere Motivation, ihren Bau bis 2022 fertig zu stellen: Dann nämlich feiert die Gemeinde ihr 700-jähriges Jubiläum.