„Die Nachfrage ist viel größer geworden“ – Seelsorger*innen aus Kirchenkreis treffen sich im AKH

Nachricht 31. März 2026

So viel Kompetenz in Sachen „Seele stärken“ in einem Raum findet man nur selten. Auf Einladung von Superintendentin Andrea Burgk-Lempart im Rahmen der Kirchenkreis-Visitation von Regionalbischöfin Marianne Gorka, trafen sich Seelsorgerinnen und Seelsorger aus verschiedenen Brennpunkten der Celler Gesellschaft im Andachtsraum des Allgemeinen Krankenhauses Celle (AKH).

Seelsorger*innen, ehrenamtlich tätig oder offiziell beschäftigt, werden gebraucht in diesen „etwas schrägen Zeiten“, wie es AKH-Vorstand Dr. Martin Windmann beschreibt. Nicht nur im Krankenhaus, wo „unsere Mitarbeiter*innen die Zerrissenheit zwischen Ökonomie und eigenem Anspruch an die Fürsorge täglich erleben“ (Ralf Laumert, Vorsitzender des AKH-Betriebsrates). Sondern auch an der Oberschule Wathlingen, wo Anja Baiduc und Merle von Uslar als Lehrerinnen tätig sind und sich als Schulseelsorgerinnen mit den Ängsten und Nöten der Kinder und Jugendlichen befassen. „Corona war für die Schülerinnen und Schüler ein massiver Wendepunkt, die Folgen aus dieser Zeit spüren wir heute“, fasst es Merle von Uslar in der Runde zusammen. „Wir haben heute Fünftklässler, die suizidale Gedanken haben. Häufig Selbstverletzungen. Die Nachfrage nach unserer Arbeit ist größer geworden. Viel größer.“

Nach den beiden Lehrkräften berichtet Dr. Claudia Wenzel, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie und Leitende Ärztin am Wahrendorff-Klinikum, über den intensiven Alltag. Den neben ihr sitzenden Andreas Seelemeyer, Pastor in Garßen und Koordinator der Notfallseelsorge im Kirchenkreis, kennt sie von einem Notfall-Einsatz. Wenn der Pastor Bereitschaft hat, ist er in der Regel vor Ort, wenn es irgendwo einen tödlichen Unfall oder Zwischenfall gegeben hat. „Die meisten Menschen sind dankbar dafür, dass man einfach da ist und ihnen zur Seite steht“, sagt er.

Welchen großen Themen begegnen den hier anwesenden Expertinnen und Experten für seelische Unterstützung immer wieder bei ihrer Arbeit? Die Frage nach Schuld zum Beispiel. Ich bin verantwortlich dafür, dass dieser Unfall passiert ist, weil ich heute morgen fünf Minuten zu spät zur Arbeit gefahren bin. Solche Sachen. Schulseelsorgerin Anja Baiduc berichtet: „Die meisten haben Angst, nicht zu genügen. Nicht den Eltern, nicht den Freunden, nicht der Gesellschaft – und schon gar nicht Instagram und TikTok. Cybermobbing ist ein großes Thema. Und manchmal reicht es schon, wenn der eigene Post nicht oft genug gelikt wurde, damit der Tag im Eimer ist.“ Einsamkeit beschäftige sehr viele junge Menschen. „Echte Freundschaften sind in diesen oberflächlichen Zeiten wirklich schwieriger geworden“, findet Merle von Uslar. Daraus ergebe sich eine immer wiederkehrende Furcht: Keiner versteht mich.

„Mit vielen dieser Fragen aus dem Schulumfeld beschäftigen wir uns auch“, ergänzt Gefängnisseelsorger Lars Neumann, der wie seine Kollegin Linda Holexa in der JVA Celle tätig ist. Nicht nur für die Insassen, sondern auch für die Mitarbeiter*innen vor Ort.

Ute Kronemeyer und Barbara Paschke, beide auch als Prädikanten für den Kirchenkreis aktiv, sind in Seniorenpflegeheimen als Seelsorgerinnen im Einsatz. „Die Damen und Herren treibt oft das Thema um, was man als Mensch noch wert ist, wenn man nicht mehr für sich allein sorgen kann“, sagt Ute Kronemeyer. Barbara Paschke hat beobachtet, dass „Vergebung für viele eine besondere Rolle spielt. Manche haben ihr Leben lang ein Trauma aus der Kindheit mit sich herumgetragen und wünschen sich, damit endlich abschließen zu können.“

Viele dieser Erfahrungen verdichten sich am Ort dieses Seelsorger-Treffens. Davon können nicht nur die AKH-Vorstand Martin Windmann und Ralf Laumert berichten, sondern auch Pastorin Elisabeth Schwenke und Pastor Achim Rodekohr, die als Krankenhaus-Seelsorger gut vertraut sind mit dem schön gestalteten Andachtsraum. „Seelsorge“, fasst es Superintendentin Andrea Burgk-Lempart zusammen, „ist eine Haltung.“ Eine gesellschaftliche, soziale, geistliche, christliche – und damit auch spirituelle, in der Pastor Dr. Christian Rebert in Wienhausen in seinen „Kostproben der Spiritualität“ unter anderem Andachten und Stundengebete feiert, um Menschen zu stärken.

Die besten seelsorgerlichen Gespräche, so die Superintendentin, führe sie auf dem Wochenmarkt am Samstagmorgen. Eben da, wo Menschen zusammenkommen. Und auch Regionalbischöfin Marianne Gorka ist „im Grunde meines Herzens immer Gemeindepastorin geblieben. Da wo Seelsorge zur täglichen Arbeit gehört.“