Eine Pastorin, Achterbahnfahren genießt, Gedichte schreibt und sich dafür interessiert, wie Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen: Seit dem 1. August ist Anne Störmer die neue Pastorin der Friedenskirchengemeinde Unterlüß. Offiziell mit einer halben Stelle. „Aber von ganzem Herzen“, wie die 44-Jährige sagt.
Dass das Erzählen von Lebensgeschichten einmal zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit werden würde, passt zu ihrer eigenen Geschichte. Geboren und aufgewachsen ist Störmer in Halle an der Saale. Die Erfahrungen in der ehemaligen DDR haben sie geprägt: „Mich begleitet bis heute die Frage, wie wir verständlich von unserem Glauben erzählen können. Glauben, heißt für mich, zu erkennen, dass wir Teil eines großen Ganzen sind und Gottes Spuren im Leben lesen lernen können.“
Vielleicht passt deshalb auch das Motto der Friedenskirchengemeinde so gut zu ihrem Start in Unterlüß: „Miteinander unterwegs.“ Störmer möchte nicht mit einem fertigen Programm antreten. Sie will zunächst entdecken, was da ist, welche Menschen den Ort prägen – und was gemeinsam entstehen kann.
Ganz neu ist ihr die Südheide ohnehin nicht. Seit 2010 lebt sie mit ihrem Mann Christian und den vier Söhnen im nahen Hermannsburg. „Dass wir als Stadtkinder mal in der Heide Wurzeln schlagen würden, hätten wir nie gedacht. Heute ist sie unser Zuhause.“
Zwischen Schule und Gemeinde
Ganz aus Celle verabschiedet sich Störmer mit ihrem Wechsel nach Unterlüß nicht. Seit 2018 arbeitet sie als Schulpastorin an der Albrecht-Thaer-Schule BBS III in Celle/Altenhagen. Einen Tag in der Woche wird sie dort weiterhin tätig sein.
In den vergangenen Jahren hat sie dort nicht nur Religion unterrichtet. Sie führte Krisen- und Beratungsgespräche, arbeitete im Krisen- und Notfallteam mit und leitete das Team Prävention und Intervention. Sie schrieb den ersten Entwurf des schulischen Schutzkonzeptes, an dem das Team nun ohne sie weiterarbeitet. Jährlich gibt sie - u.a. in Kooperation mit dem Celler Hospiz - Seminare zu Sterben, Tod und Trauer für Schülerinnen und Schüler aus dem Pflegebereich.
Dass Schulpastoral mehr sein kann als Unterricht, zeigte sich für sie auch bei den Weihnachtsbesinnungen der Schule: Zuletzt ließen sich dort mehr als 150 Schülerinnen und Schüler persönlich segnen.
Störmer ist systemische Beraterin (SG) und Mentorin für systemische Biografiearbeit (SYIM Kassel). Darüber hinaus hat sie sich im Wingwave Coaching® sowie in Prozess- und Embodimentfokussierter Psychologie (PEP®) nach Dr. Michael Bohne fortgebildet – einem Ansatz, der unter anderem in Coaching, Stressmanagement und Psychotherapie eingesetzt wird.
Was davon bringt sie mit nach Unterlüß? Vielleicht vor allem einen bestimmten Blick auf Menschen: Lebensgeschichten sind selten geradlinig. Menschen bringen Erfahrungen, Brüche, Stärken, Zweifel und Hoffnungen mit. Und sie sind mehr als das, was auf den ersten Blick von ihnen zu sehen ist.
Genau dafür möchte die neue Pastorin Raum schaffen. „Ich komme mit Neugier, Respekt und der Freude nach Unterlüß, gemeinsam mit den Gemeindegliedern zu entdecken, was schon da ist – und was noch werden kann.“
Das gilt für Gottesdienste ebenso wie für Begegnungen in den Kitas, bei Einschulungen und in der Konfirmandenzeit. Und es gilt besonders dort, wo das Leben eine Wendung nimmt: bei Taufen und Trauungen, in Krisen und beim Abschied von einem Menschen. „Gerade an Wendepunkten des Lebens möchte ich Menschen mit Respekt für ihre Lebensgeschichte begleiten.”
Miteinander unterwegs – das Motto der Friedenskirchengemeinde ist damit für Störmer mehr als eine Überschrift. Es beschreibt ziemlich genau, wie sie ihre neue Aufgabe beginnen möchte: nicht schon zu wissen, wo alle ankommen sollen, sondern miteinander herauszufinden, welcher Weg sich eröffnet.