Der Unternehmer Puntila fürchtet die Einsamkeit der Macht. Deshalb gibt er gerne den Kumpel und trinkt sich mit seinem Personal in eine zünftige Mitmenschlichkeit hinein. In diesen Momenten sind für ihn alle Klassengrenzen aufgehoben.
Doch verfliegt der Rausch der Gleichheit so schnell wie er sich herstellen ließ. Die „Freundschaft“ zwischen Herr und Knecht, so lehrt das 1940 im Exil entstandene Schauspiel von Bertolt Brecht, ist nur im Zustand künstlicher Bewusstseinstrübung möglich.
Selbst noch die heute in allen gesellschaftlichen Bereichen inszenierte „Augenhöhe“ verfestigt die Ungleichheit, weil sie die objektiven Schieflagen in die Sphäre einer Gefühligkeit verschiebt und die alten Strukturen damit hinterrücks fortschreibt. Ein Befund, der Brechts Bedeutung für das 21. Jahrhundert eindrücklich belegt.
Ein Thema, wie geschaffen für das Theatergespräch des Ev.-luth. Kirchenkreises Celle im Anschluss an die Vorstellung am kommenden Sonntag, den 12. April 2026 (Beginn der Vorführung: 15 Uhr, Gespräch ca. 17:50 Uhr). Moderiert von Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart werden die beiden „Titelhelden“ des Stücks, Dirk Böther („Puntila“) und Jan Arne Looss („Matti“), gemeinsam mit Dr. Cornelia Sollfrank diskutieren, die sich u.a. als Pionierin für Kunst im Internet einen Namen gemacht hat.
Der Eintritt zum Theatergespräch ist wie immer kostenlos.
(Foto: Marie Liebig / Schlosstheater Celle)